110 Pocketfilm: Der komplette Guide — Schneiden, Laden, Entwickeln, Scannen

110 Pocketfilm: Der komplette Guide — Schneiden, Laden, Entwickeln, Scannen

Community-Tipp: 35mmc.com

Bob Janes hat den wohl detailliertesten englischsprachigen Guide zum 110er Format geschrieben — von der Kassette bis zum Scan. Andrew Long dokumentiert C-Mount-Scanning und 110er Workflows. Absolute Pflichtlektüre.

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Das 110 Pocketfilm-Format erlebt ein echtes Revival. Die kompakten Kameras passen in jede Jackentasche, und dank wiederverwendbarer Kassetten kannst du jede beliebige Filmemulsion im 110er Format belichten. Aber der Einstieg ins Pocketfilm-Universum wirft Fragen auf — welche Kamera? Welcher Film? Wie laden? Wie entwickeln? Wie scannen?

Alles, was du wissen musst — von der Kamerawahl bis zum fertigen Scan. Mit Praxistipps aus der Community und konkreten Produktempfehlungen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kamerawahl — Welche 110 Kamera ist die richtige?
  2. Filmauswahl — Was kommt in die 110er Kassette?
  3. Kassetten — Worauf es ankommt
  4. Worauf achten beim Fotografieren?
  5. Entwickeln — Labor oder zu Hause?
  6. Digitalisieren — Methoden im Vergleich
  7. Digitalisieren mit dem Ausgeknipst Setup


 

 

1. Kamerawahl — Welche 110 Kamera ist die richtige?

Pentax Auto 110 SLR System mit Wechselobjektiven

Pentax Auto 110 mit Wechselobjektiven · Foto: Rama / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0 FR

Das 110-Format bietet eine überraschende Vielfalt an Kameras — von simplen Plastik-Instamatics bis zur kleinsten Spiegelreflexkamera der Welt. Je nachdem, ob du maximale Kontrolle oder maximale Einfachheit willst, gibt es die richtige Kamera für dich.

Die wichtigsten 110-Kameras im Überblick

Modell Objektiv Verschluss Belichtung Unperf. Film? Preis (ca.)
Pentax Auto 110 Wechselobjektive (18/24/50/70mm) 1s–1/750s Silizium-Photodiode, Auto Eingeschränkt* €150–300
Pentax Auto 110 Super Wie Auto 110 + Motor 1s–1/400s Silizium-Photodiode, Auto Eingeschränkt* €250–500
Rollei A110 23mm f/2.8 Zeiss Tessar 4s–1/400s Silizium-Photodiode Achtung** €200–400
Canon 110ED 26mm f/2.0 (5-Linser) Messsucher 1/8–1/500s 3 Stufen (Sonne/Wolken/Innen) €50–150
Minolta 110 Zoom SLR 25–50mm f/4.5 1/1000–10s + B Blendenvorwahl Achtung*** €100–250
Minolta 110 Zoom SLR Mk II 25–67mm f/3.5 1/1000–10s + B Blendenvorwahl Achtung*** €100–250
Voigtländer Vitoret 110 24mm f/5.6 Lanthar Auto CdS €30–80
Minox 110S 25mm f/2.8 Color-Minotar 1/1000–4s CdS Auto Nein €150–350
Lomomatic 110 (neu!) 22mm f/2.8 Auto (Tag/Nacht) Zone Focus Nein €99–159

*Eingeschränkt (Pentax Auto 110 / Super): Bei der originalen Pentax Auto 110 spannt der Verschluss auch ohne Perforation, aber der Filmtransport erfordert zwei Züge am Spannhebel für korrekte Bildabstände und die Freigabe des Auslösers. Die spätere Auto 110 Super transportiert den Film mit einem einzelnen Zug am Hebel vollständig zum nächsten Bild.

**Achtung (Rollei A110): Push-Pull-Transportmechanismus. Die Kamera transportiert den Film bei jedem Öffnen — unabhängig davon, ob ausgelöst wurde. Bei unperforiertem Film stoppt der Transport nicht an der Perforation, sodass Film verschwendet wird. Die Rollei E110 (Blendenautomatik, CdS-Zelle) hat dasselbe Problem.

***Achtung (Minolta): Kompatibilität mit unperforiertem Film ist eingeschränkt und muss am konkreten Exemplar getestet werden (siehe Test-Anleitung unten).

Unsere Empfehlung: Pentax Auto 110

Die Pentax Auto 110 ist die beste 110-Kamera — Punkt. Warum?

  1. Wechselobjektive — Ein echtes SLR-System im Taschenformat: 18mm Weitwinkel, 24mm Standard, 50mm Portrait, 70mm Tele
  2. Hervorragende Optik — Die Pentax-Objektive liefern für das 110-Format erstaunlich scharfe Ergebnisse
  3. Nimmt unperforierten Film auf — Bei der originalen Auto 110 sind zwei Züge am Spannhebel nötig, um den Film korrekt weiterzutransportieren und den Auslöser freizugeben. Die spätere Auto 110 Super schafft das in einem Zug.
  4. Verfügbarkeit — Die Pentax Auto 110 ist relativ häufig auf dem Gebrauchtmarkt

Budget-Tipp: Canon 110ED — Für €50–150 bekommst du eine überraschend gute Kamera mit drei Belichtungsstufen (Sonne/Wolken/Innen) und Messsucher-Fokussierung ab 0,6m.

David Hancock — Pentax Auto 110 Camera Review with Sample Photos

Achtung: Wichtig: Kompatibilität mit selbst geladenem Film

Nicht jede 110-Kamera funktioniert mit Film ohne Perforation. Bei einigen Modellen dient die Perforation zum Spannen des Verschlusses. So testest du es:

  1. Öffne die Rückwand und entferne die Kassette
  2. Betätige den Filmtransport
  3. Drücke den Auslöser

Löst der Verschluss aus? → Deine Kamera funktioniert mit unperforiertem Film!
Löst er nicht aus? → Diese Kamera braucht perforierten Film.

Die 10 beliebtesten 110 Kameras

Unser ausführliches Kamera-Ranking mit Beispielfotos und Kaufempfehlungen.

Zum Kamera-Guide →


 

 

2. Filmauswahl — Was kommt in die 110er Kassette?

Analog Insights — Lomomatic 110 Review mit Beispielfotos

Du hast zwei Wege an 110er Film zu kommen: Fertig kaufen (Lomography) oder selber schneiden. Die DIY-Route ist nicht nur günstiger, sondern gibt dir die freie Wahl aus dem gesamten Filmsortiment.

Option 1: Lomography — Der einzige Hersteller

Lomography hat ein de-facto-Monopol auf fabrikneuen 110er Film. Seit Fujifilm 2009 die Produktion einstellte, gibt es keine andere Quelle mehr:

Film Typ ISO Bilder Preis
Tiger 200 Farb-Negativ 200 24 €12��15
Orca 110 S/W-Negativ 100 24 €12–15
Lomochrome Purple Experimental 100–400 24 €15–18

Das Problem: €12–18 pro Rolle für 24 Aufnahmen im 13×17mm Format sind extrem teuer. Zum Vergleich: Ein 35mm-Film mit 36 Belichtungen (24×36mm — fast 4× größere Negative!) kostet oft weniger.

Option 2: Film selber schneiden — jede Emulsion im 110er Format

Filmschneider für 110 / 16mm Film — schneidet 35mm und 120er Film auf 16mm Breite

Filmschneider für 110/16mm — schneidet 35mm und 120er Film bei Tageslicht auf 16mm Breite

Das ist der entscheidende Vorteil: Es gibt kaum fertigen 110er Film zu kaufen. Wer nicht nur auf Lomography-Emulsionen beschränkt sein will — wer Kodak Gold, Portra 400, HP5+, Tri-X oder CineStill 800T im 110-Format belichten möchte, wie bei seiner 35mm- oder Mittelformatkamera — der kommt nicht umhin, den Film selber zu schneiden und in eine wiederbefüllbare Kassette zu laden.

Dafür brauchst du einen Filmschneider, der 35mm- oder 120-Rollfilm präzise auf 16mm Breite zuschneidet:

  • Portra 400, HP5+, Tri-X, Ektar, Delta 3200 — alles möglich
  • Exotische Emulsionen: CineStill 800T, Rollei Infrarot, Fomapan 100
  • 16mm Kinofilm: Kodak 7222 (Double-X) ist in Meterware erhältlich — die Perforationen des Kinofilms ragen allerdings ins Bildfeld hinein
  • Deutlich günstiger: Ein Ilford HP5+ 35mm (~€7) ergibt 2 Füllungen à ~82cm

Soll-Länge und Ausbeute: 35mm vs. 120

Standard-Länge eines 110er Filmstreifens: ca. 78–80 cm (24 Aufnahmen)

Das ist die Ziel-Länge, auf die du deinen geschnittenen Streifen zuschneidest — egal ob aus 35mm oder 120.

Ob du 35mm- oder 120-Rollfilm als Ausgangsformat nimmst, hängt davon ab, welchen Filmstock du gerade zur Verfügung hast. Manche Emulsionen gibt es nur für 35mm, andere nur für 120 — und unsere Filmschneider unterstützen beide Formate. Der 120er Film hat keine Perforierungen am Rand und liefert daher prinzipiell mehr Ausbeute:

Ausgangsformat Filmlänge Nutzbare Breite Ausbeute
35mm Patrone (135, 36 Bilder) ~165 cm 1× 16mm Streifen (zwischen den Perforationen) 2 Füllungen à ~82,5 cm
120 Rollfilm ~83 cm (nur Film) 3× 16mm Streifen (keine Perforation) 3 Füllungen à ~83 cm

Rechenbeispiel: Ein 120er Rollfilm (~€7) ergibt 3 Füllungen. Das sind €2,33 pro 110-Rolle statt €12–18 bei Lomography. Ein 35mm-Film (~€7) ergibt 2 Füllungen = €3,50 pro Rolle.

Backing Paper: Ja oder Nein?

Ob du mit oder ohne Backing Paper lädst, hängt einfach vom Kassettentyp und deiner Erfahrung ab:

  • Mit Backing Paper (Kassette mit Sichtfenster) — Lichtschutz, Bildnummer sichtbar. Das Backing Paper bestätigt, dass sich der Film tatsächlich bewegt (du siehst den Zähler vorrücken) und schützt die Filmrückseite vor Reibung am Kassettengehäuse. Empfohlen für Farbfilm, High-ISO, Anfänger.
  • Ohne Backing Paper (geschlossene Kassette) — Einfacher, schneller. Laden im Dunkeln nötig. Nachteil: Keine visuelle Rückmeldung, ob der Film korrekt transportiert wird, und kein Bildzähler — man muss mitzählen. Für S/W und erfahrene Nutzer.

Unsere Film-Empfehlungen zum Selbstschneiden

Film Typ ISO Warum?
Ilford HP5+ S/W 400 Extrem fehlertolerant, Push/Pull, günstig
Kodak Portra 400 Farbe 400 Natürliche Hauttöne, guter Belichtungsspielraum
Fomapan 100 S/W 100 Budgetfreundlich, schönes Korn
CineStill 800T Farbe 800 Low-Light, Nachtaufnahmen
Kodak Tri-X 400 S/W 400 Der Klassiker, kontrastreich
Kodak Ektar 100 Farbe 100 Schärfster Farbfilm, minimalstes Korn


 

 

3. Kassetten — Worauf es ankommt

Bob Janes — modifizierte 110 Kassetten für das Nachladen mit 16mm Film

Bob Janes' modifizierte 110-Kassetten — Mk1, Mk2 und Mk3 · Foto: 35mmc.com

Zum Laden brauchst du eine 110-Kassette. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Wege: Eine bestehende Original-Kassette modifizieren, oder eine speziell für das Nachladen konstruierte Kassette verwenden.

Weg 1: Original-Kassette modifizieren (DIY)

Bob Janes hat auf 35mmc detailliert dokumentiert, wie man alte Lomography- oder Fukkatsu-Kassetten für das Nachladen modifiziert. Sein Ansatz in drei Iterationen:

  • Mk1 — Ohne Backing Paper: Filmkammer aufschneiden, Sleeve aus belichteter Film einsetzen, längeren Filmstreifen laden (>24 Aufnahmen möglich). Nachteil: Keine Bildzähleranzeige.
  • Mk2 — Mit Backing Paper: Kassette näher zur belichteten Filmkammer schneiden, Original-Backing-Paper wiederverwenden. Bildzähler funktioniert, Standard 24 Aufnahmen.
  • Mk3 — Komplett offener Deckel: Gesamte Oberseite als abnehmbarer Deckel — einfachstes Laden. Backing Paper dichtet den Spalt selbst ab.

Achtung: Worauf du bei jeder Kassette achten musst

Egal ob modifiziert oder neu: Die Lichtdichtigkeit ist das A und O. Die Originalnaht am Kassettenboden hat keinen Überlapp — dort entstehen die meisten Light Leaks. Tape allein reicht nicht immer (Bob Janes zeigte, dass belichteter Film als Sleeve nicht komplett lichtdicht ist). Backing Paper ist der zuverlässigste Lichtschutz.

Weg 2: Wiederverwendbare Kassetten (z.B. 3D-gedruckt)

Alternativ gibt es speziell für das Nachladen konstruierte Kassetten — wie unsere Ausgeknipst-Kassette aus PLA+. Die Vorteile gegenüber der DIY-Modifikation:

  • Aufwickelspule: Kein Fummeln mit losen Filmenden — Film aufwickeln, reinschieben, fertig
  • ISO-Wegbrechkante: Standardisierte Kerbe, die du abbrechen kannst, um der Kamera den hohen ISO-Wert (400) zu signalisieren. Der niedrige Wert variiert je nach Kamerahersteller — typisch zwischen ISO 64 und ISO 100 (manche Kameras gingen auf ISO 64 für Kodachrome, andere wie die Pentax Auto 110 auf ca. ISO 80).
  • Filmtransport-Kompatibilität: Sollbruchstelle für Kameras mit Sprocket-Zahnrad (z.B. Agfamatic)
  • Zwei Varianten: Mit Sichtfenster (Backing Paper) oder geschlossen (ohne)

Film laden — Schritt für Schritt

Vorbereitung (bei Tageslicht):

  1. Film schneiden — 35mm oder 120er auf 16mm Breite mit einem Filmschneider
  2. Filmstreifen zuschneiden — ca. 78–80 cm lang (~24 Aufnahmen). Das ist die Standard-Länge.
  3. Aufwickelspule bereithalten (falls vorhanden)

Laden (bei VOLLSTÄNDIGER Dunkelheit oder im Wechselsack!):

  1. Film auf Aufwickelspule wickeln — Emulsion (matte Seite) nach innen
  2. Spule in die Kassette schieben — in den Leerraum der Feedkammer
  3. Filmanfang zur Aufnahmespule führen — befestigen
  4. Kassette schließen + sofort in Case

Praxis-Tipp: Endfalte als Stopp-Mechanismus

Bob Janes empfiehlt, eine Falte am Filmende umzuklappen und festzukleben. Der doppelt gefaltete Film kann die Feedkammer nicht verlassen — wenn der Filmtransport stoppt, weißt du: Rolle voll. Zusätzliche Sicherung: Ein kurzes Stück Cocktailstäbchen in die Falte legen — die dreifache Dicke verhindert zuverlässiger, dass sich die Endfalte durchzieht. Besonders nützlich beim Laden ohne Backing Paper, wenn du keinen Bildzähler hast.


 

 

4. Worauf achten beim Fotografieren?

Film is more fun — Fotografieren mit der Pentax Auto 110: Ergebnisse und Spaßfaktor

Das 110-Format verzeiht weniger Fehler als 35mm — aber wer die Eigenheiten kennt, holt erstaunliche Ergebnisse raus.

Licht ist alles

Die Grundregel für 110: Mehr Licht = bessere Bilder. Das kleine Negativ (13×17mm) verstärkt jeden Fehler.

  • Sonnenlicht ist dein Freund — Draußen bei gutem Licht liefert das Format tolle Ergebnisse
  • Innenräume nur mit Blitz — Auch ISO 400 schafft bei Kunstlicht kaum brauchbare Ergebnisse
  • Lieber überbelichten — +1 Blende ist sicherer als Unterbelichtung. Negativfilm steckt Überbelichtung gut weg
  • Sunny-16: Bei ISO 200, Blende f/16, Verschlusszeit 1/200s bei vollem Sonnenschein

Parallaxe beachten

110-Kameras (außer SLR-Modellen) haben einen separaten Sucher. Bei nahen Motiven (<1m) ist der Bildausschnitt im Sucher nicht identisch mit dem auf dem Film. Lösung: 10–20% höher ansetzen als sichtbar.

Häufige Anfängerfehler

  1. Unterbelichtung — Der #1-Fehler. Immer mehr Licht als du denkst
  2. Verwacklung — Das kleine Negativ verstärkt jede Kamerabewegung
  3. Falscher ISO-Notch — Vergessen die Kerbe an der Kassette anzupassen
  4. Laden im Hellen — Auch „kurz mal schauen“ reicht für Light Leaks
  5. Falscher Transport — Bei der Pentax: Zweimal hebeln, nicht einmal
  6. Zu hohe Erwartungen — 110 ist nicht 35mm. Das Korn und die Softness sind der Charme


 

 

5. Entwickeln — Labor oder zu Hause?

DIY modifizierte Kaiser-Spule für 16mm/110 Film — Bob Janes auf 35mmc

DIY-modifizierte Kaiser-Spule für 110/16mm Film · Foto: Bob Janes / 35mmc.com

110er Film entwickeln funktioniert genauso wie 35mm — du brauchst nur eine Spule, die 16mm aufnimmt.

Option 1: Ab ins Labor

Labore die 110er Film annehmen:

  • Fotoimpex (Berlin) — C-41 und S/W
  • The Darkroom (USA) — 110 Spezialist, C-41 und E-6

Achtung: Nicht jedes Labor nimmt 110 an!

Viele Labore haben keine Spulen für 16mm / 110. Vorher nachfragen — Fotoimpex ist eine der sichersten Optionen in DE.

Option 2: Selbst entwickeln

Für die Heimentwicklung brauchst du einen Entwicklungstank und eine Spule, die 16mm Film aufnimmt:

System Spule Tank Kapazität
Ausgeknipst + Paterson 110/16mm Spule (Paterson: SKU 1502b) Standard Paterson Bis 4 Spulen = 8 Filme
Ausgeknipst + Jobo 110/16mm Spule (Jobo: SKU 1504b) Jobo 1500 Serie 2–3 Filme

Bonus: Auch für 16mm Kinofilm!

110 Pocketfilm und 16mm Kinofilm verwenden exakt die gleiche Filmbreite (16mm). Wer also eine Bolex H16, eine Krasnogorsk K-3, eine Arriflex 16ST oder eine andere 16mm Filmkamera besitzt und einen Teststreifen selbst entwickeln möchte — unsere Spule passt. Für Minox 8×11 (9,5mm) gibt es eine eigene, schmalere Spule: Entwicklerspule Minox 9,5mm (SKU 1505p).

Der eigentliche Entwicklungsprozess ist identisch zu 35mm �� S/W wie C-41, gleiche Zeiten, gleiche Temperaturen. Nur die Spule ist anders.


 

 

6. Digitalisieren — Methoden im Vergleich

110 Film im 35mm Film Scanner — DIY Scanning von Bob Janes

110er Film im 35mm-Filmscanner-Halter — DIY-Scanning · Foto: Bob Janes / 35mmc.com

Du hast deine 110er Negative entwickelt — jetzt musst du sie in digitale Bilder verwandeln. Das 110-Format (13×17mm) stellt besondere Anforderungen, weil die Negative so klein sind.

Die Herausforderung: Kleine Negative, großer Anspruch

Ein 110-Negativ ist nur 13×17mm groß — weniger als ein Viertel von 35mm. Hohe Scan-Auflösung allein bringt ab einem bestimmten Punkt keinen Detailgewinn mehr — irgendwann löst man nur noch Filmkorn auf statt Bilddetails. Entscheidend ist die Kombination aus gutem Scan und feinkornigen Filmen/Entwicklern: FP4+ in Perceptol liefert deutlich mehr nutzbare Details als HP5+ in R09, bei identischer Scan-Auflösung. Trotzdem: Mindestens 4000 dpi optische Auflösung sollte es sein, und jeder Staubkrümel ist sichtbar.

Realistisch betrachtet: Wer das 110-Format wählt, sucht nicht die maximale technische Qualität. Der Charme liegt im kompakten System, im Lo-Fi-Look und in der kreativen Einschränkung.

Vergleich auf einen Blick

Methode Geschwindigkeit Qualität (110) Kosten Community-Fazit
Flatbed (V600) ★★★ ★★ €€ Unter 3 MP nutzbar bei 110 — nur als Notlösung wenn schon vorhanden
Flatbed (V850) ★★★ ★★★ €€€€ Besseres Dmax (4.0) als V600, aber Flatbed-Architektur limitiert bei 13×17mm
DigitaLIZA ★★★ ★★★★ Günstiger Filmhalter für Kamera-Scanning — funktioniert nach demselben Prinzip wie andere Filmhalter
Dedizierter Filmscanner ★★ ★★★★ €€€ Hohe optische Auflösung (z.B. Plustek), aber: 16mm Film in 35mm-Halter erfordert DIY-Brücken und häufiges Repositionieren
Kamera-Scanning (Filmhalter) ★★★★ ★★★★★ €€–€€€ Schnellster Workflow, bester Dynamikumfang, kontaktlos. Mit Filmhaltern wie DigitaLIZA oder Ausgeknipst Scanner

Warum Kamera-Scanning für 110 überlegen ist

  • Deutlich höhere effektive Auflösung als jeder bezahlbare Flatbed
  • Schnellerer Workflow — Ein Negativ pro Sekunde möglich, kein Repositionieren nötig
  • Keine Kratzer — Kontaktlos, Film liegt im Halter
  • Kein DIY-Bridging — Bei dedizierten Filmscannern muss man 16mm Film in 35mm-Halter einbauen, was aufwändig ist und Repositionierung um Andruckleisten erfordert
  • APS-C und m43 Kameras ideal — Der kleinere Sensor bildet das winzige 110-Negativ mit mehr Pixeln ab als ein Vollformat-Sensor. Moderne Vollformat-Kameras mit hoher Megapixelzahl (33+ MP) liefern trotz stärkerem Crop ebenfalls gute Ergebnisse. Makroobjektiv mit Zwischenringen kombinieren für maximale Vergrößerung.
  • Flexible Software — Negative Lab Pro, darktable, Grain2Pixel

Community-Feedback: Andrew Long (UK) über Camera Scanning:

„The idea behind the 110 film holder for scanning is really good — Speed and workflow without damaging the negatives.“

— Andrew Long, persönliche Korrespondenz

110 Beispielfoto: Discovery Park, Seattle — Pentax Auto 110 auf Kodak Double-X

Discovery Park, Seattle — Pentax Auto 110 auf Kodak Double-X · Foto: Bob Janes / 35mmc.com


 

 

7. Digitalisieren mit dem Ausgeknipst Setup

Ausgeknipst Film Scanner Set 110 — Komplett-Setup mit Copy Stand, CS-LITE und Filmhalter

Unser Scanner-System besteht aus einzelnen Schichten, die aufeinander aufbauen. Du kaufst nur, was du brauchst. Kein Flatbed kommt da ran — Camera Scanning mit einem dedizierten Filmhalter liefert bei 110 die besten Ergebnisse. Deutlich.

Das Komplettsystem im Überblick

Orange = 110-spezifisch · Grau = Shared (alle Formate)

Copy Stand MK2

60cm Alu-Profil, CNC-Aufnahme, 3/8" Gewinde, Fast-Lock Klemmen.

SKU 1602b

CS-LITE + CSL Adapter

CRI 97+ LED + lichtdichter Adapter für gleichmäßige 16mm-Ausleuchtung.

SKU 1725v + 1664p

Film Scanner 110 MK2

16mm Kanal, S-Kurve, 4 Neodym-Magnete. PLA+, mattschwarz.

SKU 1652b

Hood S (Mini)

Streulichtschutz mit Extension Tubes. Verhindert Lens Flare.

SKU 1661p

Workflow: Vom Negativ zum digitalen Bild

  1. Setup aufbauen — Copy Stand, Kamera montieren, CS-LITE unter den Filmhalter
  2. Kamera einstellen — Manueller Fokus, ISO 100, Blende f/5.6–f/8
  3. Film einlegen — 110er Streifen in den 16mm Kanal schieben
  4. Fokus — Live View × 10, auf Filmkorn scharfstellen
  5. Auslösen — Ein Frame pro Klick, dann Film weiter schieben
  6. Software-Inversion — RAW-Dateien in Negative Lab Pro, darktable oder Grain2Pixel invertieren

Workflow-Hack: Fokus nur einmal einstellen!

Dank der S-Kurve im Scanner liegt der Film immer auf exakt derselben Höhe. Du stellst den Fokus einmal scharf auf das Filmkorn — und kannst dann Streifen für Streifen durchscannen, ohne nachzufokussieren.

Empfohlene Makro-Objektive

Objektiv Mount Abbildung Preis (ca.)
Laowa 65mm f/2.8 Ultra Macro APS-C 2:1 €280–350
7Artisans 60mm f/2.8 Div. 1:1 €100–150
Nikkor 105mm f/2.8 Micro VR Nikon F 1:1 €350–450
Canon 100mm f/2.8L Macro IS Canon EF 1:1 €500–650

Scan-Software für Negativ-Inversion

Software Typ Preis Bewertung
Negative Lab Pro Lightroom Plugin $99 ★★★★★
Grain2Pixel Standalone Kostenlos ★★★★
darktable RAW-Editor Kostenlos ★★★
VueScan Scanner-Software $40–100 ★★★

 

 


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