Rollei 35 mit Zeiss Tessar 40mm f/3.5 — die kleinste Vollformat-Kleinbildkamera

Rollei 35 Varianten im Vergleich — Kaufberatung 2025

Community-Tipp: CasualPhotophile

Einer der besten englischsprachigen Artikel zur Rollei 35 SE — mit ehrlicher Kaufberatung und Praxis-Erfahrung.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Die Rollei 35 — eine Kamera, die es fast nie gegeben hätte
  2. Alle Varianten im direkten Vergleich
  3. Tessar, Sonnar, Triotar — die Objektive erklärt
  4. Belichtungsmesser und das Batterie-Problem
  5. Praxis: Zonenfokus, Film-Tipps und typische Fehler
  6. Ergonomische Eigenheiten (Die Rollei Quirks)
  7. Gebraucht kaufen — Worauf du achten musst
  8. Ausgeknipst-Zubehör für die Rollei 35

Die Rollei 35 — eine Kamera, die es fast nie gegeben hätte

Rollei 35 mit Zeiss Tessar 40mm f/3.5 — Singapur-Version
Rollei 35 mit Zeiss Tessar — die kleinste Vollformat-Kleinbildkamera ihrer Zeit. Foto: Don DeBold, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

1962 saß Heinz Waaske in seinem Büro bei Wirgin in Wiesbaden und baute an einem Prototyp, den niemand haben wollte. Die Idee: eine vollwertige Kleinbildkamera, die in eine Jackentasche passt. Ohne Kompromisse bei der Bildqualität.

Waaske bot seinen Entwurf Wirgin an, dann Leitz, dann Kodak. Keiner interessierte sich. Die Kamera war zu klein, sagten sie. Zu unkonventionell. Zu riskant.

Im Januar 1965 wechselte Waaske zu Rollei nach Braunschweig. Zwei Monate später entdeckte Geschaeftsführer Heinrich Peesel den Prototyp — und ordnete sofort die Serienfertigung an. Im Oktober 1966 präsentierte Rollei die Kamera auf der Photokina in Köln. Sie war die kleinste Vollformat-Kleinbildkamera der Welt.

Der Clou des Designs

Das versenkbare Objektiv reduziert die Tiefe der Kamera auf unter 6 cm — ein Drittel des Volumens vergleichbarer 35mm-Kameras der damaligen Zeit. Der Verschluss sitzt hinter dem Objektiv statt davor. Blende und Belichtungszeit werden über Räder an der Vorderseite eingestellt, nicht oben auf dem Gehäuse. Alles an dieser Kamera bricht mit Konventionen.

In den folgenden 30 Jahren wurden über zwei Millionen Rollei 35 in verschiedenen Varianten produziert. Die erste Serie entstand in Braunschweig, ab 1971 verlagerte Rollei die Produktion nach Singapur. 1981 ging Rollei in Konkurs. Nach dem Konkurs 1981 etablierten die neuen Eigentümer ab 1990 die Produktion der überarbeiteten Classic-Serie wieder in Braunschweig.

Heute, fast 60 Jahre später, ist die Rollei 35 eine der begehrtesten analogen Kompaktkameras. Und es gibt genug Varianten, um sich gründlich zu verirren. Genau deswegen existiert dieser Artikel.

Alle Varianten im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle listet alle relevanten Rollei-35-Modelle. Wichtig: Nicht jede Kamera mit "35" im Namen gehört zur selben Familie. Die XF 35 ist ein völlig anderer Kameratyp (Messsucherkamera mit Programmautomatik), trägt aber den Namen. Die 2024 vorgestellte "Rollei 35 AF" wird nicht von Rollei, sondern von MiNT Camera (Hongkong) unter offizieller Namenslizenz gebaut. Sie hat ein 35mm f/2.8 Objektiv, einen LiDAR-Autofokus (kein Zonenfokus), automatische Belichtung und einen eingebauten Blitz. Es ist eine moderne Point-and-Shoot und historisch wie technisch strikt von den analogen Originalen zu trennen.

Modell Baujahre Objektiv Blende Belichtungsmesser Batterie Herkunft Preis (ca. 2025)
Rollei 35 1966–1971 Zeiss Tessar 40mm f/3.5 CdS (Nadel, oben) PX625 (1,35V) Deutschland 300–500 EUR
Rollei 35 (SG) 1971–1974 Zeiss Tessar 40mm f/3.5 CdS (Nadel, oben) PX625 (1,35V) Singapur 250–400 EUR
Rollei 35T 1974–1980 Zeiss Tessar 40mm f/3.5 CdS (Nadel, oben) PX625 (1,35V) Singapur 250–400 EUR
Rollei 35S 1974–1981 Zeiss Sonnar 40mm f/2.8 CdS (Nadel, oben) PX625 (1,35V) Singapur 300–500 EUR
Rollei 35TE 1979–1981 Zeiss Tessar 40mm f/3.5 LED (im Sucher) PX27 (5,6V) Singapur 300–450 EUR
Rollei 35SE 1979–1981 Zeiss Sonnar 40mm f/2.8 LED (im Sucher) PX27 (5,6V) Singapur 350–550 EUR
B35 / Rollei 35B 1969–1978 Triotar 40mm f/3.5 Selen (batterieunabhängig) Keine Singapur 100–200 EUR
C35 1969–1971 Triotar 40mm f/3.5 Kein Messer Keine Singapur 80–150 EUR
Rollei 35LED 1978–1981 Triotar 40mm f/3.5 LED (im Sucher) PX27 Singapur 150–250 EUR
Rollei 35 Classic 1990–1999 Zeiss Sonnar 40mm f/2.8 CdS (Nadel, oben) PX625 (1,35V) Deutschland 500–900 EUR
XF 35 1974–1980 Sonnar 40mm f/2.3 CdS Programm PX625 Singapur 100–200 EUR
Rollei 35AF ab 2024 35mm f/2.8 Elektronisch Modern China ca. 800 EUR
Rollei 35 (S-Xenar) 1972–1973 Schneider-Kreuznach S-Xenar 40mm f/3.5 CdS (Nadel, oben) PX625 (1,35V) Singapur 350–550 EUR

Schnell-Empfehlung

Für Fotografen: Rollei 35SE oder 35S — bestes Objektiv, zuverlässige Messung (SE), kompakte Bauweise.
Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: Rollei 35T — identische Bildqualität wie das Original, oft günstiger.
Für Sammler: Rollei 35 (Made in Germany) oder 35 Classic (Titan/Gold/Platin-Editionen).
Budget-Einstieg: B35 — günstig, kein Batterieproblem, aber einfacheres Triotar-Objektiv.

Achtung: XF 35 ≠ Rollei 35

Die Rollei XF 35 ist eine komplett andere Kamera — eine Messsucherkamera mit Programmautomatik und fest eingebautem 40mm f/2.3 Sonnar. Kein versenkbares Objektiv, keine manuelle Belichtungssteuerung. Gutes Objektiv, aber ein völlig anderes Konzept.

Tessar, Sonnar, Triotar — die Objektive erklärt

Die Optik ist das zentrale Unterscheidungsmerkmal zwischen den Rollei-35-Modellen. Drei Objektivtypen kamen zum Einsatz — alle mit identischer Brennweite von 40mm, aber mit grundlegend verschiedenem Aufbau.

Carl Zeiss Tessar 40mm f/3.5 — der Klassiker

Vier Linsen in drei Gruppen. Das Tessar-Design stammt aus dem Jahr 1902 und war auch 1966 noch eine der schärfsten Konstruktionen für dieses Format. In der Rollei 35 liefert es knackscharfe Bilder ab Blende 5.6, mit leichter Weichheit bei Offenblende — typisch für Tessar-Konstruktionen.

Frühere deutsche Exemplare waren nur einfach vergütet. Bei direktem Gegenlicht kann das zu Flares führen. Ein UV-Filter hilft. Tessar-Objektive wurden von Rollei in allen Modellreihen durchgehend nur einfach vergütet (Single Coated).

Verbaut in: Rollei 35 (Original), 35T, 35TE

Rollei 35 S mit Carl Zeiss Sonnar 40mm f/2.8 — Frontansicht
Rollei 35 S mit Sonnar 40mm f/2.8 — das Premium-Objektiv der Serie. Foto: Hinnerk R., CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Carl Zeiss Sonnar 40mm f/2.8 — das Premium-Objektiv

Fünf Linsen in vier Gruppen. Eine halbe Blendenstufe lichstärker als das Tessar, mit sichtbar besserem Kontrast und angenehmem Bokeh bei Offenblende. Das Sonnar gilt unter Sammlern und Fotografen als die bessere Wahl — und spiegelt sich in den Preisen wider.

Gefertigt wurde das Sonnar im Rollei/Zeiss-Gemeinschaftswerk in Singapur, unter Carl-Zeiss-Lizenz. Qualitativ kein Unterschied zu deutschen Zeiss-Objektiven.

Verbaut in: Rollei 35S, 35SE, 35 Classic

Schneider-Kreuznach S-Xenar 40mm f/3.5 — der seltene Tessar-Klon

Zwischen 1972 und 1973 konnte Carl Zeiss nicht genügend Tessare an das neue Werk in Singapur liefern. Rollei kaufte temporär Linsen vom renommierten deutschen Hersteller Schneider-Kreuznach zu. Optisch ist das S-Xenar nahezu identisch zum Tessar (4 Linsen in 3 Gruppen), aber aufgrund der geringeren Stückzahl (ca. 30.000) ist es bei Sammlern deutlich gefragter.

Triotar 40mm f/3.5 — das Einsteiger-Objektiv

Drei Linsen, Triplet-Konstruktion. Einfacher, günstiger, leichter. Bei kleineren Blenden (f/8 und darunter) durchaus brauchbar, bei Offenblende deutlich weicher als Tessar und Sonnar. Das Triotar war die Budget-Option für Rolleis Einstiegsmodelle.

Verbaut in: B35/35B, C35, 35LED

Praxis-Tipp: Tessar oder Sonnar?

Im Alltag ist der Unterschied gering — vor allem bei Blende 8 und darüberhinaus. Wer Zone Focusing nutzt (und das tut man bei der Rollei 35), arbeitet selten bei Offenblende. Die halbe Blendenstufe des Sonnars ist relevant für Innenaufnahmen und schwaches Licht. Für Tageslicht-Straßenfotografie ist das Tessar ebenso geeignet.

Belichtungsmesser und das Batterie-Problem

Drei verschiedene Belichtungsmesser-Systeme kamen in der Rollei 35 zum Einsatz. Welches System verbaut ist, beeinflusst den Praxisalltag mehr als die Objektivwahl.

CdS-Messer mit Nadelanzeige (35, 35T, 35S, Classic)

Ein Cadmiumsulfid-Sensor misst das Licht und bewegt eine Nadel auf der Oberseite der Kamera. Man muss die Kamera vom Auge nehmen, um die Anzeige abzulesen — entschleunigend, aber präzise. Der Sensor ist empfindlich auf Lichtrichtung und kann bei starkem Seitenlicht falsch messen.

Problem: Diese Modelle brauchen eine 1,35V-Quecksilberbatterie (PX625), die seit über 20 Jahren verboten ist.

LED-Messer im Sucher (35TE, 35SE, 35LED)

Drei LEDs im Sucher — rot oben (überbelichtet), grün mitte (korrekt), rot unten (unterbelichtet). Schneller und intuitiver als die Nadelanzeige. Man kann messen, ohne die Kamera abzusetzen.

Diese Modelle verwenden eine 5,6V PX27-Batterie — ebenfalls Quecksilber, ebenfalls nicht mehr erhältlich. Adapter existieren.

Selen-Messer (B35/35B)

Batterieunabhängig — ein Vorteil, der allerdings von der Alterung der Selenzelle überlagert wird. Nach 40+ Jahren sind viele Selenmesser träge oder komplett ausgefallen. Wer eine B35 mit funktionierendem Selenmesser findet, hat Glueck.

Das Batterie-Problem lösen

Die originalen Quecksilberbatterien (PX625 für CdS-Modelle, PX27 für LED-Modelle) gibt es nicht mehr. Drei Alternativen stehen zur Verfuegung:

Lösung Preis Spannung Lebensdauer Empfehlung
Zink-Luft Hörgeräte-Batterie (Typ 675) + Gummiring ca. 2 EUR 1,4V → 1,35V Wochen–Monate Günstigste Lösung, kurzlebig
WeinCell MRB625 ca. 8–12 EUR 1,35V Wochen–Monate Korrekte Spannung, kein Adapter nötig
MR-9 Batterie-Adapter + Silberoxid-Batterie ca. 15–25 EUR 1,5V → 1,35V Monate–Jahre Beste Dauerlösung — einmal kaufen
Alkaline PX625A / LR44 (1,5V direkt) ca. 2 EUR 1,5V Monate NICHT empfohlen — bis zu 2 Blendenstufen Abweichung

Tipp: MR-9 Adapter

Ein MR-9 Adapter (auch: PX625 Adapter) reduziert die Spannung einer handelsüblichen Silberoxid-Batterie von 1,5V auf die korrekte 1,35V. Einmal gekauft, ewig nutzbar — nur die günstige Batterie wird getauscht. Wir führen einen universalen PX625 Adapter, der in alle Rollei 35 CdS-Modelle passt.

Praxis: Zonenfokus, Film-Tipps und typische Fehler

Die Rollei 35 hat keinen Entfernungsmesser. Keine Mattscheibe, kein Autofokus, keinen Schnittbildindikator. Der Fokus wird über eine Entfernungsskala am Objektiv eingestellt — sogenanntes Zone Focusing (Zonenfokussierung).

Zone Focusing mit der Rollei 35

Das Prinzip: Bei kleineren Blenden (f/8, f/11, f/16) ist die Schärfentiefe so gross, dass man nicht exakt fokussieren muss — ein ungefährer Abstand reicht.

  1. Blende wählen: f/8 oder kleiner. Je kleiner die Blende, desto größer die Schärfezone.
  2. Entfernung schätzen: 1–2 Meter für Portraits. 3–5 Meter für Street. Unendlich für Landschaft.
  3. Hyperfokaldistanz nutzen: Bei f/11 und Fokus auf 5 Meter ist aufgrund der Schärfentiefe alles von ca. 2,5 Metern bis Unendlich scharf. Wer den Fokus auf 3 Meter fixiert (typisch für Street Photography), muss sich bewusst sein, dass der ferne Hintergrund unscharf wird.
  4. Vorher einstellen: Den Fokusring vor der Aufnahme setzen, nicht erst beim Auslösen.

Praxis-Tipp: Die 3-Meter-Regel

Stell den Fokus für Street Photography auf 3 Meter, die Blende auf f/8 oder f/11. Der unmittelbare Vordergrund ist scharf, der Hintergrund (Unendlich) wird unscharf. Für Landschaftsaufnahmen oder wenn "alles" scharf sein soll, wähle f/11 und stelle die Entfernung auf 5 Meter ein (Hyperfokaldistanz).

Film-Empfehlungen

Die Rollei 35 funktioniert mit jedem Standard-35mm-Kleinbildfilm. Einige Kombinationen sind besonders gelungen:

Film ISO Typ Passt gut für
Kodak Portra 400 400 Farbnegativ Portraits, weiches Licht, Hauttöne
Kodak Gold 200 200 Farbnegativ Tageslicht, Reise, Budget-Allrounder
Fuji Superia 400 400 Farbnegativ Street, Reise, vielseitig
Ilford HP5+ 400 S/W Negativ Kontrastreiche Szenen, Push möglich
Ilford FP4+ 125 S/W Negativ Feinkörnig, Landschaft, gutes Licht
CineStill 800T 800 Farbnegativ Low Light, Nacht, Kunstlicht

Typische Fehler beim Umgang mit der Rollei 35

Achtung: Der Rollei 35 Kamera-Tod (Objektiv-Mechanik)

Die absolute Kernregel der Rollei 35, bei deren Missachtung die Kamera sofort einen mechanischen Totalschaden erleidet: Das Objektiv darf NIEMALS entriegelt und in das Gehäuse zurückgeschoben werden, bevor der Verschluss gespannt (der Film transportiert) wurde. Versucht man, das Objektiv bei ungespanntem Verschluss mit Gewalt zu versenken, bricht der interne Übertragungsmechanismus unwiderruflich ab.

Die eiserne Reihenfolge lautet:
1. Auslösen
2. Verschluss spannen (Film transportieren)
3. Entriegelungsknopf drücken
4. Objektiv drehen und versenken.

Weitere häufige Fehler:

  • Batterie-Tod durch fehlenden Objektivdeckel: Im Gegensatz zu hartnäckigen Internet-Mythen haben CdS-Modelle (Rollei 35, T, S, Classic) KEINEN Schalter am Objektiv. Der Belichtungsmesser ist permanent aktiv. Die Batterie wird nur geschont, wenn das Messauge im Dunkeln liegt (Kameratasche, Objektivdeckel oder Batteriesparer). Nur die LED-Modelle aktivieren die Messung durch Antippen des Auslösers.
  • Falsche Batteriespannung: 1,5V direkt statt 1,35V führt zu systematischer Unterbelichtung (ca. 1,5 bis 2 Blendenstufen zu dunkel) — besonders bei Diafilm fatal, da Unterbelichtung zu schwarzen, unbrauchbaren Bildern führt.
  • Finger vor dem Messfenster: Die kleine Bauweise verführrt dazu, den CdS-Sensor mit dem Finger abzudecken.
  • Fokus nicht eingestellt: Bei Zone Focusing vergisst man leicht, den Abstand anzupassen, wenn sich die Distanz zum Motiv ändert.

Ergonomische Eigenheiten (Die Rollei Quirks)

Eine ehrliche Praxis-Kaufberatung darf die völlig unkonventionelle Ergonomie der Rollei 35 nicht verschweigen. Diese Eigenheiten machen den Charme der Kamera aus, sind aber auch der häufigste Grund für Weiterverkäufe durch frustrierte Neueinsteiger:

  • Blitzschuh an der Unterseite: Bei Blitznutzung muss die Kamera zwingend kopfüber (mit dem Blitzgehäuse nach unten) gehalten werden. Täte man das nicht, würde das ausgefahrene Objektiv "Monster-Schatten" von unten ins Gesicht des Motivs werfen.
  • Linkshänder-Filmtransport: Der Spannhebel befindet sich auf der linken Gehäuseseite und wird mit dem linken Daumen bedient — entgegen fast allen anderen Kameras der Welt.
  • Bildzählwerk an der Unterseite: Um den aktuellen Filmstand abzulesen, muss man die Kamera auf den Kopf stellen.

Gebraucht kaufen — Worauf du achten musst

Eine Rollei 35 ist mindestens 44 Jahre alt. Manche Exemplare sind über 60. Mechanische Kameras altern — und die Rollei 35 hat einige bekannte Schwachstellen.

Checkliste vor dem Kauf

Prüfpunkt Was prufen Rotes Flag
Verschluss Alle Zeiten durchschiessen (B bis 1/500). Auf Geräusche achten. Verschlusslamellen kleben offen, langsame Zeiten hängen
Objektiv Gegen Licht halten. Linsengruppen prüfen. Pilz (weiße Fäden), Haze (milchiger Schleier), Staub innen
Belichtungsmesser Gegen Smartphone-App vergleichen (z.B. LightMeter). Abweichung > 1 Blendenstufe, Nadel bewegt sich nicht
Gehäuse Ober- und Unterseite auf Dellen prüfen. Starke Beulen, die den Mechanismus blockieren könnten
Filmtransport Hebel spannen, auslösen, Zähler prüfen. Knirschen, Blockieren, Zähler zählt nicht weiter
Batteriefach Deckel oeffnen, Kontakte prüfen. Grüne/weiße Korrosion (ausgelaufene Batterie)
Sucher Durchschauen, auf Klarheit prüfen. Trüb, Staub, LED funktioniert nicht (bei TE/SE)
Objektivversenkungs-Mechanismus Objektiv ein- und ausfahren. Klemmt, rastet nicht ein, wackelt

CLA — Clean, Lubricate, Adjust

Bei Kameras dieses Alters ist eine CLA (professionelle Reinigung, Schmierung und Justierung) fast immer sinnvoll. Kostet je nach Werkstatt 80–150 EUR. Manche Händler verkaufen bereits CLA-bereinigte Exemplare mit Garantie — das ist der sicherste Weg, aber auch der teuerste.

Wo kaufen?

  • eBay (Kleinanzeigen und Auktionen): Größte Auswahl, aber Risiko bei unkontrollierten Verkäufen.
  • Spezialisierte Händler: FilmFurbish (UK), Kamerastore (FI), Japan Camera Hunter — CLA und Garantie inklusive, Aufpreis 30–50%.
  • Flohmärkte und Kamerabörsen: Hands-on prüfen möglich, oft faire Preise.
  • Reddit r/photomarket und Photrio: Community-Verkäufe, oft mit ehrlicher Zustandsbeschreibung.

Unabhaengiger Test von FilmFurbish (Quelle)

Jeremy von FilmFurbish repariert und verkauft Rollei 35 seit Jahren. Seine Einschaetzung:

  1. Qualitätsunterschied Deutschland/Singapur: Kaum erkennbar. Nur geringfügige Teileänderungen ohne Einfluss auf Funktion oder Haptik.
  2. Messergenauigkeit: Gut, aber nicht so präzise wie ein Handbelichtungsmesser. Für Negativfilm kein Problem. Für Diafilm eine Mess-App empfohlen.
  3. Preisentwicklung: Die 35S mit Sonnar hat sich in zwei Jahren nahezu im Preis verdoppelt (Stand 2023).

Ausgeknipst-Zubehör für die Rollei 35

Wir führen zwei Batterie-Adapter, die das Quecksilber-Batterie-Problem der Rollei 35 lösen — einen für die CdS-Modelle (PX625) und einen für die LED-Modelle (PX27):

Der Batterie-Adapter ist die langfristig günstigste Lösung für das PX625-Problem — er reduziert die Spannung einer handelsüblichen Silberoxid-Batterie auf die korrekte 1,35V und passt in alle Rollei 35, 35T, 35S und Classic Modelle (nicht in 35TE/SE/LED, die verwenden PX27).

Video-Tipps

Zwei der besten Video-Überblicke zur Rollei-35-Familie:

TechHeritage zeigt sieben Rollei-35-Modelle im Hands-on-Vergleich — inklusive Tipps zu Batteriewechsel und Filmeinlage.

FABS IN THE WILD vergleicht die gesamte Rollei-35-Familie — mit besonderem Fokus auf die 35 SE als Kaufempfehlung.

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